Aviation Finance
Das Jahr 2010 wird in der Luftverkehrsbranche als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem sich die Branche von einer der schwerwiegendsten Wirtschafts- und Finanzkrisen aller Zeiten erholt hat. Flugzeugwerte und Leasingraten stabilisierten sich im Jahresverlauf und verbesserten sich in einigen Fällen sogar. Gleichzeitig war 2010 auch das Jahr, in dem eine potenziell sehr bedeutende technische Innovation im kommerziellen Luftverkehr angekündigt wurde. Mit unseren umfangreichen und detaillierten Kenntnissen der Luftverkehrs- und Finanzierungsmärkte konnten wir uns frühzeitig auf diese Entwicklungen einstellen, und so lieferte Aviation Finance weiterhin ausgezeichnete Ergebnisse.
Marktanalyse
Im Rückblick auf das Berichtsjahr wird klar, dass die Erholung der kommerziellen Luftfahrt von der globalen Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 letztlich viel stärker ausfiel als erwartet. In der zweiten Jahreshälfte verzeichneten zahlreiche Marktsegmente wieder Geschäftsaktivitäten auf Vorkrisenniveau oder sogar darüber. Laut den Statistiken der International Air Transport Association (IATA) legten Fluggesellschaften bei den verkauften Sitzplatzkilometern (RPK) um 8,2 % zu. Zum Jahresende 2010 überschritt das Verkehrsaufkommen das vor der Krise (Anfang 2008) erreichte Niveau um 4,0 %. Doch profitierten nicht alle Regionen gleichermaßen: Gemessen in RPK stieg das Passagieraufkommen der Fluggesellschaften im Nahen Osten um 17,8 %, gefolgt von der asiatisch-pazifischen Region mit 9,0 %, Nordamerika mit 7,4 % und Europa mit lediglich 5,1 %. Die kleineren Regionen wie Afrika und Lateinamerika konnten sich mit RPK-Zuwachsraten von 12,9 % bzw. 8,2 % gut behaupten. Bei der Ausweitung ihrer Kapazitäten hatten die Fluggesellschaften Disziplin geübt: Gemessen in angebotenen Sitzplatzkilometern lag der Zuwachs bei nur 4,4 %. Somit profitierten die Fluggesellschaften von einem höheren durchschnittlichen Sitzladefaktor von 78,4 %. Die Auslastung des Fluggeräts (gemessen in durchschnittlichen Flugstunden pro Tag und Flugzeug) nahm zu, was die Rentabilität in dieser kapitalintensiven Branche erheblich verbesserte. Gleichzeitig steigerte die günstigere Balance zwischen Angebot und Nachfrage die Erträge. Auch das Verhältnis zwischen Discount-/Economy-Tickets und den margenstärkeren Premium-/Business-Class-Buchungen verbesserte sich.Von dem günstigen Marktumfeld profitierten die Gesellschaften durch deutlich höhere Cashflows und eine ebenso verbesserte Ertragslage. Die IATA-Prognosen für die Nachsteuerergebnisse kommerzieller Fluggesellschaften verbesserten sich im Jahresverlauf von einem erwarteten Nettoverlust von 5,6 Mrd USD (Prognose im Dezember 2009) zu einem Nettogewinn von 15,1 Mrd USD (Prognose vom Dezember 2010). Mit einem prognostizierten Nettogewinn von 7,7 Mrd USD war der asiatisch-pazifische Raum dank des starken Wachstums wohl die profitabelste Region. Auf Platz 2 folgte Nordamerika mit einer Prognose von 5,1 Mrd USD, was zum Teil auf bereits 2008 vorgenommene Kapazitätssenkungen zurückzuführen war. Für Lateinamerika wird ein Nettogewinn von 1,2 Mrd USD prognostiziert. Europa gehört mit nur 0,4 Mrd USD nach wie vor zu den problematischeren Regionen. Die Nachfrage nach Flugreisen litt nicht nur unter den diversen Staatsschuldenkrisen. Im April kam es zusätzlich zu einem Vulkanausbruch in Südost-Island, und eine riesige Aschewolke erzwang die vorübergehende Schließung mehrerer großer Flughäfen in bis zu 1.700 Kilometern Entfernung. Keine größeren Probleme verursachten 2010 die Treibstoffkosten: Der Preis für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate lag im ganzen Jahr bei durchschnittlich 80 USD pro Barrel; nur zum Jahresende zog er bis auf rund 90 USD an.
Im Cargogeschäft konnte sich das Frachtvolumen, gemessen in Frachttonnenkilometern (FTK), schnell von den Tiefstständen im September 2009 erholen und erreichte im Mai 2010 einen neuen Höchststand. Einflussfaktoren waren hauptsächlich die konjunkturelle Erholung und die Wiederaufstockung von Lagerbeständen. In den letzten Monaten war jedoch eine gewisse Stagnation zu beobachten. Insgesamt nahm das Frachtvolumen (in FTK) im Gesamtjahr 2010 um immerhin 20,6 % zu, und zum Jahresende lag es um 1 % über dem Vorkrisenniveau von Anfang 2008. Anlass zur Besorgnis gibt die zunehmende Ausweitung von Frachtflugzeug-
kapazitäten: 2010 wuchsen die angebotenen Frachttonnenkilometer um 8,9 %. Offensichtlich wurden die vorübergehend stillgelegten Kapazitäten größtenteils wieder in Dienst gestellt. Ungeachtet dessen stieg der Frachtladefaktor auf durchschnittlich 53,8 %.
kapazitäten: 2010 wuchsen die angebotenen Frachttonnenkilometer um 8,9 %. Offensichtlich wurden die vorübergehend stillgelegten Kapazitäten größtenteils wieder in Dienst gestellt. Ungeachtet dessen stieg der Frachtladefaktor auf durchschnittlich 53,8 %.
Das Ausmaß der Erholung wird insofern etwas überzeichnet, als das Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2010 größtenteils als technische Reaktion auf den Einbruch im Luftverkehr im ersten Halbjahr 2009 zu sehen ist. Laut IATA liegen die Wachstumsraten im Passagier- und Luftfrachtverkehr nun mit 5–6 % pro Jahr auf dem allgemein als nachhaltig angesehenen langfristigen Trend.
Der Markt für Verkehrsflugzeuge entwickelte sich, analog zur Erholung des Luftverkehrs, ebenfalls besser als 2009: Um Stornierungen bereinigt, lagen die Gesamtbestellungen für gängige Narrowbody- und Widebody-Jets der Hersteller Airbus und Boeing 2010 bei 1.104 Maschinen und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr (413 Flugzeuge). Zahlreiche Bestellungen wurden für den Flottenausbau platziert, aber auch die Erwartung steigender Treibstoffkosten infolge der Konjunkturerholung war ein wesentlicher Faktor für die Entscheidung von Fluggesellschaften, alternde Flugzeuge zu ersetzen.
Der Markt für Verkehrsflugzeuge entwickelte sich, analog zur Erholung des Luftverkehrs, ebenfalls besser als 2009: Um Stornierungen bereinigt, lagen die Gesamtbestellungen für gängige Narrowbody- und Widebody-Jets der Hersteller Airbus und Boeing 2010 bei 1.104 Maschinen und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr (413 Flugzeuge). Zahlreiche Bestellungen wurden für den Flottenausbau platziert, aber auch die Erwartung steigender Treibstoffkosten infolge der Konjunkturerholung war ein wesentlicher Faktor für die Entscheidung von Fluggesellschaften, alternde Flugzeuge zu ersetzen.

